Album review – SHELTER

SHELTER – Album review –  musikreviews.de – Magazin für Metal, Progressive und Rock

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Tote leben länger. Vor allem dann, wenn es Gitarren sind, welche eine verdammt lebendige, aber irgendwie doch etwas besinnlich wirkende Musik machen. DEAD GUITARS, ein Bandname, der das Gegenteil von dem ist, was man auf «SHELTER» zu hören bekommt. Gitarren – akustische wie elektrische – spielen nämlich eine große Rolle, ganz genauso wie der hervorragende, sehr variable Gesang oder sogar Trompeten und Posaunen, die einem allerdings nie den Marsch blasen, dafür aber recht zärtlich die Gehörgänge durchpusten. Bei dieser Band aus Deutschland samt begnadetem holländischen Sänger müssen sich gängige Brit-Pop-Bands verdammt warm anziehen, denn die DEAD GUITARS klingen britischer und melodischer und gefühlsechter als vieles von dem, was heutzutage aus britischen Gefilden zu uns rüberschwappt. Und wer das neue Album der TINDERSTICKS samt Esel-Cover mag, der müsste die Musik hinter dem Leuchtturm-Cover ebenso lieben, weil sie dem TINDERSTICKS-Schwermut mit «SHELTER» ein paar lichtere, optimistischere, nicht ganz so in Melancholie versinkende Momente hinzufügt und sich außerdem auch sehr gut zwischen BOWIE, FOOL‘S GARDEN, den BEATLES, NITS und CROWDED HOUSE machen würde.

Überhaupt steckt eine recht bewegte Geschichte hinter den DEAD GUITARS, deren Musik-Rumpf aus den ehemaligen 12 DRUMMERS DRUMMING-Musikern Brough und Aussem besteht. Einer Band, die 1983 gegründet zwar richtig gute Musik – irgendwo zwischen den SIMPLE MINDS und U2 – machte, denen aber der wirkliche Erfolg nicht beschert wurde. Und während ich diese Kritik schreibe, läuft (endlich mal wieder) von den 12DD «Loveless» in meinem Player und fühlt sich verdammt wohl dort.
Warum nur hatte ich dieses Album so lange unbeachtet in meinem Regal stehen lassen?
Die DEAD GUITARS jedenfalls haben auch viel von den 12DD – doch diesmal zusätzlich noch einen Sänger, der alle Grenzen sprengt und mit zu den besten Sangesgrößen gehört, die mir so in letzter Zeit untergekommen sind.

So glaubt man beispielsweise bei dem poppig beginnenden «Heaven Seven», ein Song, der eigentlich jede Radiostation mit gehobenem Musikgeschmack sowie neugierigen Musikredakteuren glücklich machen müsste, tatsächlich, es mit einem Song von DAVID BOWIE aus dessen Pop-Phasen, als ihm das «China Girl», der «Heaven» (ohne Seven) sowie ein «Rock‘N‘Roll Suicide» besonders wichtig waren, zu tun zu haben. Eine wahrhaft großartige Erinnerung an den leider vor kurzem verstorbenen Rock-Heroen.

«Half Light / Hang Out In Heaven» dagegen erinnern mit ihrer musikalischen Orientierung aus Pop und Psychedelic an die «Sgt.-Pepper»-Ära der BEATLES und des NEIL HANNON-ähnlichen Gesangs wegen noch stärker an THE DIVINE COMEDY.

Sänger CARLO VAN PUTTEN hat‘s schlicht und ergreifend drauf, was er am überzeugendsten mit «I Surrender» – einem Song voller zarter, schwebender Keyboardflächen und zuckersüßen, aber nie schmalzigen Melodien – beweist. Hier nämlich klingt er DAVID BOWIE sogar gänzlich zum Verwechseln ähnlich! Mitunter erzeugt das beim Hören eine regelrechte Gänsehaut, besonders bei denjenigen, die über den Verlust unseres genialen Musik-Chamäleons noch nicht hinweg gekommen sind. Die DEAD GUITARS jedenfalls kommen mit «SHELTER» genau zum rechten Zeitpunkt, um diese Trauer ein wenig zu kanalisieren, sie ein wenig in Hoffnung zu verwandeln, indem unser musikalisches Bewusstsein uns zuflüstert: «Da gibt‘s doch eine noch immer sehr lebendige Stimme, die …»

Die DEAD GUITARS erheben für sich den Anspruch, mit ihrer Musik ihren eigenen Traum zu leben, da sie völlig unabhängig agieren, weil niemand in der Band mit Musik sein Geld verdienen muss. Vielleicht ist ja genau das der Grund dafür, warum «SHELTER» so traumhaft gelungen ist! «Shelter for your dreams and they will come true!», denkt sich der Kritiker, während die erste gesungene Zeile von «I Surrender» seine Gedanken eindrucksvoll bestätigt: «Let me wander in your dreams».
Ich jedenfalls wandere mit meinen Ohren nur zu gerne mit!

FAZIT: Eigentlich müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn nicht irgendwer irgendwann «SHELTER» als ein ganz besonderes Stückchen deutscher Musik-Kultur entdeckt, welches sich mit seiner britischen Ausstrahlung deutlich über alles erhebt, was uns momentan lieblos zusammengeschusterte Radio-Programme als hip verkaufen wollen. Auch die DEAD GUITARS lieben den Mainstream, aber den, der voranfließt statt vor sich hindümpelt!

American Music Street Journal, January 2016

Dead Guitars – Shelter (vinyl)

Review by G. W. Hill

I’ve included this new vinyl release under progressive rock. That’s because I think that almost everything here has a lot in common with shoegaze and other modern prog. You might disagree, though because there is a big 80s music reference point. No matter how you classify, this, though, it’s a strong record. It’s also a great vinyl edition featuring a high quality record that sounds great.

Track by Track Review

Side A

Heaven Seven
Starting mellow and a bit dreamy, this works out to something that seems to merge energized shoegaze with a sound a bit like The Cure. This is accessible, driving and very cool. It has enough modern prog to land it there.

Happy Sad
This is very much like the Europop of the 80s. I love the horns, but the whole piece is cool. It still has quite a bit of that Cure thing going on, too.

Half Light / Hangout In Heaven
The opening segment here has a real Beatles-like psychedelic sound. It gets turned toward punky space music as the vocals enter. After the first vocal movement, those two sounds seem to get merged in a lot of ways. This really does make me think of The Beatles quite a bit in this first section. There are definite shoegaze sounds built into the second part. The two things work so well together. This is a real powerhouse piece. It’s also distinctly modern progressive rock. It’s one of my favorite songs here, too. The short closing section almost feels like Pink Floyd to me.

I Surrender
While there are moments of the first couple songs that remind me of The Cure, this has a lot of another band from that period with a similar name in the mix – The Church. I love the moody kind of vibe here. This also has some Pink Floyd built into it. It’s another fits pretty well under a modern prog heading, feeling quite a bit like something like RPWL to me. This really gets intense and involved in later sections. It also makes me think of Hogarth era Marillion a lot. This is definitely one of my favorites on this album.

Side B

Bullet Proof

The opening of this somehow makes me think of the Rolling Stones just a bit. As it works out from there, shoegaze merges with that and some elements of the Beatles emerge here.

Mona Lisa
This driving rocker has a lot of the Cure along with shoegaze built into it. It seems equally comfortable in the 1980s as it does in 2015.

Wooden Head
I love the dreamy quality of this. It still has plenty of 80s sound, but this is so much like things like Porcupine Tree and modern Marillion in so many ways. With some hints of Americana, there is such a great trippy, dreamy vibe to this piece.

Mandy’s House
More hard rock based, this is a killer tune. It has some great guitar soloing, with an Americana edge. Yet, there are still hints of shoegaze in the arrangement. This is one of two songs on the set that doesn’t have a lot of prog built into it. Yet, there are still some hints in both tunes. As it gets more involved later that becomes more true. It definitely has plenty of ties to modern prog in that final growing segment. It showcases both space rock and shoegaze, in fact.


Fünf Freunde musst ihr sein

SLAM magazin

Ausgabe 86, Januar/Februar 2016 –David Hackl
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soundmag.de

«SHELTER» sollte jeder haben.

von Martina

Wäre das neue Album der Dead Guitars ein Film, wäre es im Programmheft als Tagestipp markiert. Die vergebenen Sterne der Zusammenfassung würden sich unter Herz, Liebe, Anspruch und Spannung befinden. Das vergossene Blut bleibt unsichtbar, weil es das Herzblut der Hingabe ist, welches die fünf Musiker für «SHELTER» aufgebracht haben.

Vier Jahre nach der letzten Veröffentlichung legen die Herren mit «SHELTER» ein knapp einstündiges Klangwerk nach. Bei ihren Live- Auftritten haben die Dead Guitars ihre neuen Songs immer wieder anklingen lassen. Aber das gepresste Endergebnis beeindruckt viel mehr als die milder klingenden Live-Einblicke.

Nachdem sich die Gitarre akustisch eingestimmt hat, dreht sich «Blue Seven» in die poppige Richtung. Der Song wirkt unverzüglich, dank seiner eindringlichen Melodie und dem theatralischen Gesang. Dieses Gemisch zeigt Wirkung und bleibt im Ohr stecken, ein perfekter Anfang, der nicht besser sein könnte. In gleicher ansteckender Weise rauscht «Happy Sad» in den Kopf, das mit solider Bläsereinlage auf sich Aufmerksam macht. Mit «Half Light / Hangout In Heaven» gehen die Dead Guitars zeitlich ein Stück zurück und lehnen sich klanglich an vier Menschen aus Liverpool. Auch hier kommen die Blasinstrumente zum Einsatz und hellen das Bild der Beatles um ein paar Klänge auf.

Zwischen feinen Melodien dringen immer wieder kurze schrille, oder filigrane Gitarrenklänge hervor. Die aber genauso schnell wieder in der glatten Struktur untertauchen. Vielleicht liegt es an der Vergangenheit von Pete Brough und Ralf Aussem, deren Finger schon bei Twelve Drummers Drumming die Saiten zum Leben erweckten.

In «I Surrender» kommt das akustische Spiel zur Geltung: eine gehörige Portion Wave- Gitarren bringt nicht nur die «Mona Lisa» zum lächeln. Mit «Love Rules» zeigen sich die «Deadies» von einer rauen Seite, die ihnen sehr gut steht. Der Stimmungswechsel ist vorprogrammiert und so ziehen die Minuten mit «Traffic Lane» melancholisch dem Ende entgegen.

Jeder der zehn Tracks hat einen besonderen Charakter und macht jeden Song zum Klangunikat, der unter keine Schablone des andern passt. Kurz gesagt: «SHELTER» sollte jeder haben.


[sic] Magazine – December 10, 2015

by : Brett Spaceman

«Unhappy child, just leave your bags behind»

What a tonic. As we enter the dark months of December and January could any record be more welcome, more needed than SHELTER? Dead Guitars fourth chapter somewhat defies the odds. For an act comprising the lead singer of The Convent (and White Rose transmission) plus most of the surviving members of Twelve Drummers Drumming, one would be forgiven for expecting another slice of weary melancholia. After three regal albums would it be time for a Christmas turkey? Not so. SHELTER is positively buoyant in both tone and tune(s). Right from the off we‘re in warm, spangly dreampop territory. SHELTER‘s opening salvo reveal toe-tapping tendencies. «Heaven Seven» feels like a lost Kitchens of Distinction gem. Its follow up, «Happy Sad» is pop in its purest form and certainly puts the jaunt into jaunty. In another, fairer world this would be a radio hit. «Happy Sad» is almost more Boo Radleys than Dead Guitars.

More Boo Radleys than Boo Radleys?

Thing is, with the Boos, they began as shoegazers but Martin Carr practically bled Merseybeat and he had songs to write. Fans who wished they had stayed «gazer were, certainly missing out, if not missing the point altogether. They should have stuck around. As SHELTER reaches «Half Light/……»(Incidentally the third successive track to mention «Heaven».) this albums full Beatlesque leanings are revealed. We‘re somewhere in Sgt. Peppers – White Album era right here and SHELTER is beginning to sound like an opus. There‘s just so much to admire in this recording – the little intricacies in «I Surrender» – reminiscent of Dusk era The The, the pastorally melodic singalongs (eg «Bullet Proof») and even little moments of ambience. («Mandys House») Epic closing song «Traffic Lane» twinkles like one of those Hammock tracks where they invite a guest to sing. It simmers. It flickers. We know it will ignite and it duly does just that. It is what I call a proper ending track. We‘re a million miles from the «soft Goth» of Flags era Dead Guitars. Then we might have filed them alongside the likes of All About Eve and The Church. SHELTER finds our fab five sparring with the likes of Teenage Fanclub and The Verve. That said, «Mona Lisa» throws a backward glance toward icier times. It»s a memory though, not a defining moment. As songs such as «Wooden Head» and «Love Rules» show, SHELTER is a song-based collection where the craftsmanship more than matches the tonality. The playing, the production and the lyricism here are things of joy. I‘m put in mind of the recent House of Love comeback She Paints Words In Red.

History suggests Britpop usurped Shoegaze. SHELTER reminds us there‘s room for everything that‘s good.
And man, this is good. >> weblink


trendjournal_15_12Trendjournal, Dezember 2005

Dead Guitars – Shelter

Ich bin ehrlich: Von den DG hatte ich bisher noch nichts gehört, obwohl hier das vierte Album vorliegt. Doch beim ersten Hören ärgerte ich mich über diese Lücke, denn dieses Musikprojekt jagt einem wohligen Schauer über den Rücken. Eine Mischung aus Pop, etwas Wave und viel Alternativ nagelt einen an die Boxen. Eingängige Melodien legen sich auf Herz und Seele und verwandeln sie in swingende Luftikusse. Kreativität und viel Liebe zur Musik werden von den Dead Guitars präsentiert. Energie ist zu spüren und zehn herrliche Musikstücke, die den kommenden Winter erträglich machen. Geiler Stoff. Lücke vollständig geschlossen!

THOMAS BEHLERT


Dead Guitars – Shelter – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (30.11.2015)

Das ist eine Überraschung, dieses Album: Sollte man die Band Dead Guitars überhaupt jemals wahrgenommen haben, dann vermutlich eher im Vorbeilesen oder so. Waverocker aus Deutschland, eine noch junge Band zudem, wer braucht das, der seine Sammlung mit The Mission, den Sisters Of Mercy, den Fields Of The Nephilim, The Cure, Killing Joke, Joy Division und weiß der Geier wem noch so alles gut gepflegt und bestückt hat. Denkt man. Und bekommt dann dieses angenehme Stück Musik dargereicht, das mit fast jedem Song positiv überrascht. Einziges Manko: Das Album ist so vielfältig, dass man der Band keine rechte Individualität und Wiedererkennbarkeit attestieren kann. Schlechter macht dies «SHELTER» aber nicht.

Man hört hier eine Art Best-Of der oben genannten Einflüsse. Der Opener «Heaven Seven» klingt wie Transmission mit Gesang. Die Trompeten, die The Cure immer wieder herauskramten, ertönen ähnlich unter anderem in «Happy Sad». In «Half Light/Hangout In Heaven» driftet die Band von groovendem Bass getragen in britische Psychedelik ab, und auch das passt ins Konzept, schließlich waren die ersten Gruftrocker von Bands wie Pink Floyd inspiriert. «I Surrender» könnte, besonders wegen der stimmlichen Ähnlichkeit, von einem weiteren Waveeinfluss stammen, von David Bowie nämlich. Auch die Beatles mag man im Hause Dead Guitars hörbar gern. Und bei «Mandy’s House» verliert sich das Quintett in eine shoegazerige Rotation.

Dem Genre entnommen ist der Umstand, dass schnelle Songs nicht automatisch mehr Fröhlichkeit bedeuten: Der melancholische Gesang holt die Stücke auf den Boden, begeht aber nicht den Fehler, jammerig-wehleidig zu sein. Bei aller Reminiszenz vermeidet es die Band auch, direkt zu kopieren. Sie mixt die Zutaten zu neuen Songs, die eben diese angenehmen Erinnerungen auslösen. Latent langweilig werden sie maximal in «Bullet Proof» und «Wooden Head», wenn die Musik mit starrem Blick auf frühen Wave-Pop etwas arg zu sehr ins Dudelige geht. Angenehm ist, dass sich die Band von angesagten modernen Strömungen fernhält; gestrig klingt sie deshalb aber nicht, eher zeitlos.

Nun hat man es bei den Dead Guitars mit keinen Unbekannten zu tun, und mit Newcomern schon mal gar nicht. Die Bandgründer Carlo van Putten, Ralf Aussem und Peter Brough kennt man von Twelve Drummers Drumming sowie The Convent, die Neuzugänge Hermann Eugster und Kurt Schmidt stammen ebenfalls von den Twelve Drummers Drumming. Der Umstand, dass sich die Dead Guitars bei vornehmlich britischem Wave bedienen, trug entsprechende Früchte, indem Wayne Hussey und Mark Gemini Thwaite von The Mission sowie Michael Dempsey von The Cure auf früheren Alben mitspielten. So nimmt es nicht Wunder, dass die Dead Guitars vornehmlich in Großbritannien auf offene Ohren stoßen. Auch nicht ohne Nachvollziehbarkeit ist übrigens der Gastbeitrag von Indie-Noiserock-Produzenten Guido Lucas auf dem Debüt.

Ohren riskieren sollte man in jedem Fall, auch wenn «SHELTER» zunächst stilistisch wenig stringent zu sein scheint. Man bekommt wenigstens etwas Gutes, man verschwendet keine Zeit, wenn man sich diese Stunde Musik gibt. Und das auch gerne öfter.


Rock Magazin eclipsed, December 2015Artikel_eclipsed_12_15

Album Kritik und «Happy Sad» in compilation CD Vol. 59

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Rheinische Post – Kultur 27. November 2015

«SHELTER» – klangvolles Meisterwerk

Bildschirmfoto 2015-11-27 um 11.28.53Mönchengladbach.

Vor wenigen Tagen legten die Dead Guitars mit «SHELTER» ihre neue Scheibe vor. Ein klangvolles Meisterwerk. Gleichzeitig verbunden mit einer klitzekleinen Kurs-Korrektur der Indie-Band. Sänger Carlo van Putten, die Gitarristen Ralf Aussem und Pete Brough, Bassist Kurt Schmidt sowie Schlagzeuger Hermann Eugster haben durch abwechslungsreiches Songwriting das «Melancholie-Rocker»-Klischee abgehakt. Gut so. Zehn Songs und eine knappe Stunde lang beeindrucken die Musiker kurzweilig durch starke Lyrik und brillantem Sound.

«SHELTER» begeistert in den besten Momenten, beinahe Phil Spector-like, mit einem Wall of Sound, wie ihn die Band auch live auf der Bühne zelebriert. Die Steigerung im Vergleich zu vorherigen Aufnahmen kommt nicht von ungefähr. Haben sich doch bei den «Deadies» nach und nach vier ex-Twelve Drummer Drumming (12DD)-Musiker eindrucksvoll wieder gefunden. Musiker jener Band also, die in den 1980er Jahren auch international gefeiert wurde. So hat sich die Band von einem Triumvirat der Protagonisten (Aussem, van Putten, Brough) plus Söldnertruppe ohne Substanzverlust zu einer echten Gang – zur legitimen 12DD-Nachfolgecombo – entwickelt.

Stilistisch ist die Musik weiterhin zwischen Wave, Pop und Alternative angesiedelt. Etliche Songs wie etwa «Traffic Lane» laden zum Träumen ein. Nach dem flotten Starter «Heaven Seven» glänzt «Happy Sad» mit echten Bläsern. Trompeten und Posaune sind auch bei «Half Light/Hang Out in Heaven» zu hören, einer zeitgemäß aufgebrezelten Reminiszenz an die «Sgt. Peppers»-Zeiten der Beatles. Im gleichen Song erinnert das Quintett an den Geist der psychedelischen Sixties, lädt mit dröhnendem Finale im durchscheinenden «I`m the Walrus»-Duktus ein zu einer Magical Mistery Tour der eigenen Art.

Die im besten Radioformat produzierten Songs «Mona Lisa» und «Wooden Head». Musik mit starken Beats, träumerischen Gitarrenlinien und gefühlvollem Gesang.

(pa.-)


CD Review von ragazzi-music.de

Dead Guitars SHELTER (Sireena Records 20.11.2015)

Schön druckvoll und energisch starten die melancholischen Indie-Rocker von Dead Guitars in ihr viertes Album “Shelter”. Wave, Indie & Pop gehen eine rasant rockige Allianz ein, lassen sich von pulsierendem Bass und straff hartem Drumming treiben, bauen schrammelige Melodieberge aus Gitarren & Tasten über den druckvollen Rhythmusapparat und setzen eine Stimme darüber, die kraftvoll genug ist, die romantischen, persönlichen, poetischen, zeitgeistig aktuellen Texte zu interpretieren, die im Mittelpunkt der dunklen, hier knackfrisch lässigen, dort hochemotional donnernden Tracks stehen.

Pete Brought (acc-g, back voc), Kurt Schmidt (b), Carlo van Putten (voc), Hermann Eugster (dr) und Ralf Aussem (g, Loops) sind keine Anfänger, teilweise schon Jahrzehnte im Geschäft. Diese Jungs haben viele Ideen und Pläne kommen und gehen sehen und sich daran aufgerichtet, ihre eigenen Songs geschrieben und ihren Stempel draufgesetzt.

Raffinierte, schöne und recht seltsame, angenehm schräge, eigenartig faszinierende Ideen gehen in den Songs auf. Die Einflüsse gehen bis auf die Beatles zurück und streifen unzählige Stilarten der Popkultur der vergangenen Jahrzehnte. Besonders ansprechend sind die schwermütigen Balladen. Das 10 Songs umfassende und 57:42 Minuten dauernde Album wird auf CD und limitiert auf LP (mit beigelegtem Download-Code) angeboten.

Erwachsene Rockmusik mit ausgefallener, tiefer Wirkung.

http://www.ragazzi-music.de/deadguitars15.html


CD Review von rocktimes.de

Bei der Band Dead Guitars handelt es sich um ein bunt durcheinander gewürfeltes Bandprojekt mit Musikern aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den Niederlanden. Mit dem letzten Album “Stranger” konnte das Quintett speziell auch in England groß abräumen und sich Respekt bei der dortigen Presse verschaffen. Aber wenn man sich das Line-up etwas genauer anschaut, dann stolpert man sowieso automatisch über den einen oder anderen bekannten Namen. Mit Pete Brough, Ralf Aussem, (und seit 2012 auch) Hermann Eugster sowie Kurt Schmidt sind gleich vier Musiker am Start, die eine Vergangenheit und/oder Gegenwart bei Twelve Drummers Drumming haben, darüber hinaus ist da Carlo van Putten (Ex-The Convent, heute u. a. bei White Rose Transmission) am Start.
Vier lange Jahre hat sich Dead Guitars Zeit gelassen und nach eigener Aussage sehr viel Arbeit in diese neue Scheibe gesteckt. Untergekommen ist das Quintett bei dem renommierten deutschen Label Sireena Records, was alleine schon ein gewisses Qualitätslevel der Band voraussetzt. Und die überrascht mit dem vorliegenden Material bei der Vergangenheit der Musiker nicht wirklich durch einen deutlichen (aber nie nervigen) Einschlag in die Wave-Bewegung der achtziger Jahre, dafür aber umso mehr durch einen extrem guten, weitflächigen Sound, der viele Türen offen hält, Platz für Interpretationen lässt und immer neue Pfade anbietet, denen der interessierte Hörer folgen kann.
Der gefrönten Stilistik nicht ganz ungeschuldet geht es durchaus auch mal melancholisch zur Sache, getragene Melodien werden von fetzigeren abgelöst, klagender Gesang von hoffnungsvoll beschwingtem. Sehr gut eingebunden wurden die Background Vocals der beiden Ladies Crystin Fawn und Lilli Riettiens, die jeweils unabhängig voneinander sieben der insgesamt zehn Tracks verfeinern. Eine treibende Gitarre, die von hämmernden Drums gefolgt wird, eröffnet “Love Rules” und mit dem verechoten Gesang sind wir wieder mitten in der ersten Hälfte der Achtziger angekommen. Interessanterweise erinnert Carlo van Putten in einigen Momenten mancher Songs gar ein wenig an David Bowie.
Eine knappe Stunde Musik bei nur zehn Tracks spricht deutlich dafür, dass die Jungs von Dead Guitars einiges zu sagen haben, speziell wenn es bei den einzelnen Stücken nie zu Längen kommt. Erwähnenswert und mein Liebling der Platte ist das in der Mitte ‘versteckte’ “Bullet Proof”, das mit Akustikgitarre und insgesamt sehr clean durch die Speaker kommt. Starke Gesangsmelodie, sehr gängiges Arrangement und somit geradezu prädestiniert für die erste Singleauskopplung. Nahezu perfekt passt hier auch die zwar simple, dafür aber umso effektivere Gitarrenmelodie von Ralf Aussem (auch Sun, Nina Hagen, Rainbirds).
Auf sehr ruhiger Note wird die Scheibe schließlich durch “Traffic Lane” nach Hause gefahren. Klasse Nummer, die – auch wegen ihrer Andersartigkeit – zu meinen Favoriten des Albums gehört. Zu Beginn wird mit “Heaven Seven” sowie “Happy Sad” aber erstmal nach Herzenslust gerockt. Gitarrensoli sollte man nicht unbedingt erwarten, was aber auch gar nicht vonnöten ist, um den einzelnen Tracks ihr eigenes Gesicht zu verleihen. Auch die Keyboards zeichnen sich viel mehr durch breitflächige Sounds statt durch Alleingänge aus.
Der Hörer darf sich also zurücklehnen, die Geschichten und musikalischen Exkursionen der Dead Guitars genießen und – bei aller Aktualität – so ganz nebenbei nochmal herrlich tief in die achtziger Jahre abtauchen. Das Songwriting ist auf “Shelter” sehr stark ausgefallen, die Produktion ebenfalls und Langeweile kommt erst recht keine auf. Klar muss man zumindest ein kleines Faible für Alternative und (Dark) Wave haben, aber wenn dem so ist, dann wird man mit dem vierten Album der Dead Guitars allerbestens bedient.

Line-up:
Kurt Schmidt (bass)
Carlo van Putten (lead vocals)
Pete Brough (acoustic guitars, background vocals)
Hermann Eugster (drums & percussion)
Ralf Aussem (guitars, loops)

With:
Joachim Broeckers (trumpets, flugelhorn)
Joe Wetzels (trumpets, flugelhorn)
Manni Schmelzer (trombone)
Crystin Fawn (background vocals – #3-5,7)
Lilli Riettiens (background vocals – #1,8,9)

http://www.rocktimes.de/gesamt/d/dead_guitars/shelter.html


CD Review von cdtest.de

Passend zur dunklen Jahreszeit sind die Dead Guitars mit einem neuen Album zurück!

Zehn Songs, einer schöner als der andere, versammelt der Longplayer „Shelter“, der ganz klar vom Post Punk beziehungsweise vom New Wave vergangener Tage geprägt ist, aber trotzdem so klingt, als sei er ein Wegweiser in die Zukunft. Melancholisch und melodisch, verspielt und verträumt, weitschweifig und sphärisch kommen die Lieder daher, geprägt werden sie von wie Wolkenberge emporragende Gitarrenriffs.

Dazu kommt die eindringlichen, samtige Stimme von Frontman Carlo van Putten. Indie-Rock der allerfeinsten Sorte!

Anspieltipps: «Happy Sad», «Wooden Head», «I Surrender»


DEADS GUITARS: Shelter
SIREENA, 20. November 2015, CD / LP

Im November erscheint auf SIREENA das neue, vierte Album der DEAD GUITARS, einer multinationalen Gruppe aus Deutschland, England, Holland und der Schweiz. Gründungsmitglieder von TWELVE DRUMMERS DRUMMING sind hier unter anderem am Werk. Vielleicht ist die Band dem ein oder anderen schon bei der «25th Anniversary Tour» der damals – Ende der Nuller-Jahre – eigentlich aufgelösten THE MISSION begegnet; MISSION-Sänger WAYNE HUSSEY hatte um diese Zeit auch einen Gastauftritt auf dem DEAD GUITARS-Album «Flags» (2008).

«SHELTER», so der Titel der aktuellen Veröffentlichung, startet mit sehr entspanntem, wavigen Gitarrenrock, mit klaren und weiten Vocals und einem deutlichem Bass. Im Verlauf allerdings werden die Stücke wesentlich poppiger, zum Beispiel mit treibenden Bläserarrangements. Ich hätte DEAD GUITARS ohne zu zögern als britische Indie-Band einsortiert, flott und dabei gleichzeitig entsprechend melancholisch, mit einem enorm starken Gespür für Arrangements und Melodien. Zwischendurch auch mit verträumteren, fast psychedelischen Balladen, in denen Drones fliegen und vibrieren, die Stimme dazu tiefer und samtiger.

Ein hymnisches Album, mit angenehm dunkler und nachdenklicher Grundstimmung – perfekt für den Herbst. Kein einziger Song fällt ab, obwohl die letzten drei Lieder etwas dezenter wirken. Ich mag MEN WITHOUT HATS, THE NITS, THE SMITHS, CROWDED HOUSE und die finnischen UNDERWATER SLEEPING SOCIETY – und von allen meine ich, hier ein bisschen zu hören. Pop für NONPOP.

Michael We. für NonPop